Erfolgreich bloggen - eine Definition

Erfolg ist das Erreichen selbstgesetzter Ziele. Was heißt das fürs Bloggen? Wann bin ich ein erfolgreicher Blogger? Und wieso meinen manche, den Erfolg anderer beurteilen zu können? Dazu gibt es heute einige philosophische Betrachtungen des Bloggens.

Endlich verbindliche Richtwerte

Was ist ein erfolgreicher Blogger? Diese Frage hat nun endlich die International Community for Blogging and Social Media, kurz ICBS beantwortet.

Nach intensiven Auswertungen nationaler und internationaler Blogs liegen nun endlich verbindliche Richtwerte vor, ab denen man das Prädikat sein Eigen nennen darf: Ab einem monatlichen Besuchervolumen von 20.000 und einer Fanzahl bei Facebook von 5.000.

„Katharina, jetzt hast Du aber einen Knall!“ — Nein! Ok, die ICBS gibt es nicht, aber manchmal bin ich mir ganz sicher, ob es da nicht doch so ein selbsternanntes Gremium gibt. Grund genug, mir mal gründlich Gedanken darüber zu machen, was eigentlich Erfolg ist und was das ganze mit Bloggen zu tun hat.

Wie definiert man Erfolg?

Auf den ersten Blick ganz einfach, aber bei genauerem Hinsehen dann doch wieder nicht. Vielleicht fragst Du Dich vor dem Lesen selber mal: Was ist für mich Erfolg?

Eins ist klar: Erfolg ist nicht gleich Glück! Erfolg kann die Basis für Glück sein. Manchmal führt ein bißchen Glück auch zum Erfolg. Und besonders wichtig: Erfolg macht auch nicht zwangsweise glücklich.

Natürlich gibt es viele Definitionen von Erfolg. Der Duden nennt es „positives Ergebnis einer Bemühung“. Wikipedia bezeichnet es als „das Erreichen selbst gesetzter Ziele“. Ist nicht verkehrt, aber bleibt noch ziemlich schwammig, oder? Mir fehlt da ein bisschen was. Vielleicht schauen wir uns lieber an, was man denn alles für Erfolg braucht.

5 Dinge, die für Erfolg wichtig sind: Subjekt, Ziel, Handlung, Zeit, Perspektive
Fünf Dinge gehören zum Erfolg

Was braucht es alles für Erfolg?

Ein Subjekt

Selbst gesetzt“ sagt schon alles: Erfolg ist subjektiv. Dahinter steht ein Mensch. Ok, manchmal auch eine Gruppe, aber ich fokussiere mich hier mal auf individuellen Erfolg.

Ein Mensch also mit all seinen Talenten, Fähigkeiten, einem einmaligen Lebensweg, aber auch mit all seinen Beschränkungen. Diese Beschränkungen können ganz unterschiedlich sein: finanziell, Krankheiten, familiäre Situation, etc.

Ein Ziel

Dieser Mensch entwickelt für sich ein Ziel. Die Frage ist: „Was will ich erreichen?” Es geht nicht um Träume und Luftschlösser, sondern etwas, was realistisch für diese Person in einem Zeitabschnitt umsetzbar ist.

Und da es hier um einen einzelnen Menschen geht, gilt folgerichtig: auch das Ziel ist individuell. Soweit so logisch.

Handlung & Leistung

Das Wort Erfolg macht es schon deutlich: es enthält Folge, es ist also die Folge von etwas, die Folge einer Leistung.

Hier unterscheidet sich der Erfolg vom Glück: während der Lottogewinn als Handlung lediglich das Ausfüllen eines Lottoscheins erfordert — übrigens der Grund warum ich wohl nie dort gewinnen werde — sieht es beim Erfolg etwas anders aus: Hier sind Handlungen mit Anstrengung verbunden. Man muss sich schon etwas strecken, etwas leisten.

Eigentlich reichen diese drei Punkte schon für eine erste Definition, was aber auf alle Fälle noch dazu kommt ist:

Zeit

Erfolg kommt nicht von heute auf morgen. Es braucht einfach Zeit. Es geht aber auch um Veränderung. Fähigkeiten wachsen, aber auch Beschränkungen kommen hinzu, ob durch Alter, Familie, Beruf, etc.

Mit uns selber werden sich mit der Zeit auch unsere Ziele verändern. Etwas, was ich vor 20 Jahren unbedingt erreichen wollte, kann hier und heute für mich völlig bedeutungslos sein. Meine Ziele haben sich mit mir geändert.

Erfolg ist also nicht immer ein fixer Zustand, sondern auch ein Prozeß.

Jetzt haben wir schon vier Zutaten beisammen. Zeit für ein Beispiel.

Wenn meine Oma mit Usain Bolt um die Wette rennt...

Meine Oma wird bald 95. Mit dem Laufen klappt es nicht mehr ganz so gut. Meist bewegt sie sich mit dem Rollator in der Wohnung. Wenn sie sich nun selber das Ziel setzt, draußen vorm Haus ein paar Meter spazieren zu gehen und das auch schafft, dann ist das ein Erfolg.

Etwas anders sieht es bei Usain Bolt aus. Der ist mehrfacher Olympiasieger und Weltmeister und legt eine Strecke von 100m mal eben in 9,58s zurück. Meine Oma ist da sicher ein paar Minuten länger unterwegs. Sein Ziel lautet also wahrscheinlich: schneller sein als alle andere.

Welcher von den beiden ist nun erfolgreich? Ich hoffe keiner meiner Leser wagt es, meine Oma als erfolglos zu bezeichnen. Die einzig richtige Antwort ist natürlich: beide! Und weil beide erfolgreich sind, kann man auch streng genommen nicht sagen, dass einer erfolgreicher ist. Das ginge nur bei einem Wettkampf, bei dem ein Ziel von allen Teilnehmern als das ihrige akzeptiert wird. So wie beim 100m-Lauf bei Olympia. Es ist aber höchst unwahrscheinlich, dass sich meine Oma auf so einen Deal einlässt.

Leider gibt es da aber in unserer Gesellschaft das Bild des „Erfolgsmenschen“, das sich zu oft an Geld und Glamour, zu wenig an konkreten Zielen und Leistungen festmacht. Es ist unser Bild von anderen und da kommt jetzt Punkt 5 ins Spiel: die Perspektive!

Alles eine Frage der Perspektive!

Bei meiner Recherche zu diesem Artikel bin ich auf einen Kommentar gestoßen, der es wunderbar wiedergibt:

Als erfolgreich kannst du dich betrachten, wenn du geschafft hast, was du dir vorgenommen hast.

Als erfolgreich werden dich die anderen betrachten, wenn du geschafft hast, was sich die anderen vorgenommen haben und nicht geschafft haben.

In diesen zwei Sätzen liegt verdammt viel Wahrheit! Und man kann die Sätze genauso gut umdrehen und es stimmt immer noch:

Als erfolglos kannst du dich betrachten, wenn du nicht geschafft hast, was du dir vorgenommen hast.

Als erfolglos werden dich die anderen betrachten, wenn du nicht geschafft hast, was sich die anderen vorgenommen haben und geschafft haben — oder auch nicht geschafft haben.

Auch so wird ein Schuh draus und das passiert tagtäglich, auch unter Bloggern. Meist handelt es sich nicht um eine sachliche Analyse der Person, von Zielen und Handlungen, konkreten Ergebnissen, sondern um ein einfaches Mittel andere klein zu machen und sich als Maßstab aller Dinge zu machen.

Wer für die eigene Größe andere klein machen muss, der hat ein grundlegendes Problem mit sich selbst.

Erfolgreich Bloggen - was ist das nun?

Googlest Du nach dem Begriff, bekommst Du viel Lesestoff, einige hundertausend Seiten. Es gibt Internetseiten, die so heißen, Bücher und Facebookgruppen. Unzählige Blogartikel, Workshops und Seminare versprechen uns genau das. 

Warum? Weil viele Menschen ein Ziel haben: erfolgreich Bloggen. Das ist schon etwas verquer: Erfolg als Ziel, also das Erreichen eines Ziels als Ziel?! Denkt man das richtig durch, wird einem regelrecht schwindelig, denn wo ist da das eigentliche Ziel?

Neulich gab es in der Facebookgruppe mit dem Namen „Erfolgreich Bloggen“ genau dazu eine Frage: Ab wie vielen Besuchern ist mein Blog erfolgreich gestartet? Etwas verwundert war die Fragestellerin bei der Erkenntnis, dass das ja pauschal nicht festzulegen ist und sich im Prinzip jeder erfolgreicher Blogger nennen kann, der sich dafür hält.

Teil 1 stimme ich zu. Daher war meine Einleitung oben auch Blödsinn. Teil 2 stimmt nicht ganz. Einfach sagen „Ich bin erfolgreich“ ist etwas zu billig. Da fehlt es dann doch an Ziel, Handlung und dem Vergleich von Ziel und Ergebnis.

Genau wie in jedem anderen Gebiet, gilt auch für das Bloggen:

  1. Es geht um Dich! (Individuum)
  2. Du legst Deine Ziele für Deinen Blog fest! (Ziel)
  3. Du tust etwas dafür! (Handlung)
  4. Du veränderst Dich und Deine Blogziele werden sich mit Dir verändern. (Zeit)
  5. Du vergleichst Dein Ziel mit dem Ergebnis.

Je nachdem, was Du also mit Deinem Blog vorhast, kann es sein, dass Du gerne:

  • 10.000 Leser im Monat erreichen willst,
  • 1.000€ pro Monat damit verdienen willst,
  • jeden Monat zwei Kooperationen laufen haben willst,
  • bei Google auf Platz 1 für Suchbegriff XYZ stehen willst,
  • mindestens einen Kunden pro Monat gewinnen willst,
  • den Verkauf Deiner Produkte um 10% steigern willst,
  • einfach nur Spaß am Bloggen haben willst,
  • usw.

Egal was, es ist Deine Wahl! Deine Ziele sollten nur wirklich Deine sein, Dich weiterbringen; nicht irgendwelche „Sollte man halt haben, weil das ja alles so machen“-Ziele oder reine Vergleichsziele. Auch sollte Dein Ziel realistisch sein. Hilfreich bei der Definition Deiner Ziele ist übrigens die SMART-Methode. Dem Ziel folgt jede Menge Arbeit, viel Lust und auch manchmal Frust.

Und wenn Du dann am Ziel bist? Dann bist Du ein erfolgreicher Blogger. So einfach ist das und doch manchmal so schwer zu akzeptieren; für einen selber und für andere.

Warum schreibe ich das alles?

Der Begriff „Erfolgreich Bloggen“ ist für mich tagtäglich präsent: ich lese diese Webseiten und Artikel, bin in der gleichnamigen Facebookgruppe. Aber so richtig Gedanken habe ich mir bisher nicht gemacht, was das konkret für mich bedeutet, obwohl ich Ziele für meinen Blog habe. Nun habe ich das mal intensiver gemacht . Anlass war eine E-Mail einer recht bekannten Bloggerin, in der es genau um dieses Thema ging: erfolgreicher (=Absender) vs. erfolgloser (=ich) Blogger. Soweit, so unerfreulich.

Ich habe mich gefragt: Gibt es wirklich irgend jemanden da im Internet, der von außen meinen Erfolg beurteilen kann? Gibt es ein Gremium oder eine Instanz, die ohne Kenntnis meiner Person und meiner Ziele einfach die Leserzahlen, meine Newsletteranmeldungen, meine Kundenanfragen, meine Fanzahlen, meine Lesermails, das Kundenfeedback, meinen Kontostand oder was auch immer anschaut, mit Richtwerten vergleicht und dann den Daumen hebt oder senkt? Nein, die gibt es nicht — auch wenn sich wohl manche dafür halten! Es scheitert ja als erstes schon mal an der Datengrundlage. Ist wirklich die für alle sichtbare Fanzahl bei Facebook oder irgendeiner anderen Plattform das einzige Kriterium für Erfolg? Das wäre ja totaler Humbug. 

Vielmehr ging es in der Mail um allgemeine oder sehr persönliche Vorstellungen was denn Erfolg sei. Genau wie oben geschrieben: es werden eigene Maßzahlen und Ziele einfach auf andere übertragen. Die Motivation dazu kann sehr unterschiedlich sein.

Es ist aber MEIN Blog, es sind MEINE Ziele und MEINE Handlungen, die den Maßstab MEINES Erfolges ausmachen. Ein anderer Mensch kann nicht darüber entscheiden, ob ich Erfolg habe oder nicht. 

Und das möchte ich Dir heute mitgeben, weil ich genau weiß, wie es in der Bloggerwelt manchmal zugeht. Das ist keine zuckerwattenfluffige Wiese, über die Einhörner hüpfen, Glitzer und Seifenblasen in die Welt pusten und sich alle schrecklich lieb haben. Sorry, wenn Du das geglaubt hast. Da muß ich Dich enttäuschen.

Darum noch einmal deutlich: Lass Dir niemals und von niemandem einreden, Du seist ein erfolgloser Blogger, weil Du deren Ziele nicht erreicht hast! Deinen Erfolg bestimmst nur Du — durch Deine Ziele und Deine Handlungen. Deinen Erfolg kannst Du mit keiner anderen Person vergleichen; außer Du einigst Dich mit ihr auf ein gemeinsames Ziel oder Du übernimmst einfach eine Kennzahl als Maßstab für Deine Ziele. Wenn Du meinst, Du mußt auch schneller sein als alle andere oder möchtest so viele Fans bei Facebook haben wie XY, dann fang an zu arbeiten und stell Dich dem Wettkampf. Ob Dich das aber wirklich weiterbringt ist fraglich.

Meine Oma wird Usain Bolt nie überholen, aber das ist auch nicht ihr Ziel — ich würde sie hauen, wenn dem so wäre. Ihr Spaziergang ist genauso viel wert wie ein Olympiasieg von Herrn Bolt. Ich sag es gerne noch einmal. Das Gleiche gilt auch für Blogger.

Ja, ich weiß, das mag eine naive Sichtweise sein, aber streng genommen — ich komme aus der Wissenschaft — können wir ohne eine Einigung auf ein Ziel nur Klone vergleichen. Wollen wir alle den gleichen Zielen hinterher rennen? Wollen wir geklonte Blogger? Ich hoffe nicht! Wie langweilig wäre das denn? 

Sorge also mit Deinen einmaligen Zielen und Erfolgen für Abwechslung in der Bloglandschaft. Leg Deine Ziele fest, auch wenn sie unbequem sind und handle danach! Wenn Du sie erreichst, dann erfreue Dich daran und mache nicht gleich alles wieder nieder, weil jemand anderes anscheinend erfolgreicher ist als Du. Das passiert so oft und das finde ich immer jammerschade. Auch die Freude am eigenen Erfolg gehört dazu.

Wenn Du scheitern solltest, ist das aber auch kein Weltuntergang. Wir reden hier vom Bloggen, nicht von Herztransplantationen. Einmal kurz schütteln und wieder aufstehen ist dann angesagt, gefolgt von einer Analyse, woran es liegt. Vielleicht fehlen Dir noch ein paar Fähigkeiten, die Du trainieren mußt. Oder aber Dein Ziel war unrealistisch. Oder es braucht einfach noch etwas Zeit. Ein Scheitern wird Dich aber auf jeden Fall weiter bringen als das Stehenbleiben, auch wenn es manchmal schmerzhaft ist. Scheitern ist nicht schlimm! Ich bin mit meinem ersten Blog auch gescheitert, auch wenn ich es nie so bezeichnen würde. Ja, ich hatte in guten Zeiten 20.000 Leser im Monat, aber es war eben gar nicht mein Ziel. 

Ganz viele Worte, ganz viele Emotionen heute bei mir in meinem Blog. Schließen möchte ich mit einem Zitat, das ich bei meiner Recherche gefunden habe und das mich wirklich bewegt:

Erfolg im Leben zu haben bedeutet: Oft und viel zu lachen; die Achtung intelligenter Menschen und die Zuneigung von Kindern zu gewinnen; die Anerkennung aufrichtiger Kritiker zu verdienen und den Verrat falscher Freunde zu ertragen; Schönheit zu bewundern; in anderen das Beste zu finden; die Welt ein wenig besser zu verlassen, ob durch ein gesundes Kind, einen bestellten Garten oder einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Gesellschaft; zu wissen, dass wenigstens das Leben eines Menschen leichter war, weil Du gelebt hast – das bedeutet, nicht umsonst gelebt zu haben.

Ralph Waldo Emerson (Amerikanischer Geistlicher, Lehrer, Philosoph und Essayist, 1803-1882)

Als ich das gelesen habe, war ich wieder fest auf dem Boden verankert — trotz Mail. Darum geht es letztendlich! Und wenn ich das lese kann ich nur sagen: ich bin auf einem guten Weg mit dem Erfolg! Mit dem Blog im übrigen auch, nur falls das von Interesse ist. 

Ich würde mich gerade bei diesem Thema sehr über Deine Meinung freuen! Was bedeutet für Dich konkret erfolgreiches Bloggen? Was sind Deine Ziele?

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Zu diesem Artikel gibt es 8 Kommentare
  1. 30.11.2015 10:18

    Liebe Katharina, "erfolgreich bloggen"...über diese Aussage denke ich auch immer mal wieder nach...vor allem dann, wenn es als Headline wie ein Superköder über irgendwelchen Artikeln auftaucht, weil irgendjemand vorgibt, die Superformel zu kennen. Deshalb fand ich es spannend zu lesen, wie Du Dich mit der Thematik auseinandersetzt.

    Ich habe versucht, Deine Erklärung (Erfolg = man erreicht seine Ziele) auf mich anzuwenden. Klappt aber nicht. Ich hatte nämlich keine Ziele, als ich mit meinem Blog gestartet bin :) Ich wollte einfach nur schreiben. Und als in den ersten Wochen täglich 200 Leute auf meinen Blog geklickt haben und sich die ersten 222 FB-Follower gefunden hatten, war ich völlig von den Socken. Ich kannte "damals" keine anderen Blogs oder Blogger. Ich hatte einfach nur "eigene Webseite" gegooglet, bekam das Wort "Blog" ausgespuckt, hab mit den Achseln gezuckt und "naja, meinetwegen..." gedacht. Und dann hatte ich plötzlich einen Blog und einfach nur Spaß am Schreiben. Ein Ziel gab es nicht...wenn man den Wunsch nach einer eigenen Schreibplattform nicht als solchen bezeichnen will. Aber ich hatte keinen Meter weiter gedacht. Ich habe mein Leben lang sehr viel nur für mich geschrieben und hatte Spaß. Wenn das Geschreibsel dann noch ein paar Leute lesen...schön, warum nicht?! Also müsste man davon ausgehen, dass mein Blog schon an diesem Punkt als "erfolgreich" hätte gelten müssen. Und so dreht man sich doch wieder im Kreis, oder? Tacheles: Dann könnte jeder, der in erster Linie gerne schreibt, mit 3 Lesern am Tag behaupten, dass sein Blog erfolgreich wäre.

    Ich denke grad einfach nur laut nach. Eine tolle Antwort auf die Frage nach dem erfolgreichen Blog habe ich gar nicht :D Aber man würde gemeinhin ja auch nicht von einer Supermarktkassiererin als erfolgreiche Geschäftsfrau sprechen, nur weil sie einen Job hat, mit dem sie sich wohl fühlt, oder? Weil dieser Job ihren persönlichen Erwartungen entspricht oder weil er ihr ausreichend Geld zum Leben einbringt. Man würde sagen, dass sie zufrieden mit ihrem Job ist, aber ist sie deshalb erfolgreich?

    Wenn also ein Blogger mit seinem Blog zufrieden ist, weil er seinen eigenen Erwartungen entspricht...handelt es sich dann automatisch um einen erfolgreichen Blog?

    Natürlich ist es schade, dass sich diese Frage so oft stellt. Wann ist ein Blog oder ein Blogger erfolgreich? Aber wenn man diese Frage über persönliche Bedürfnisse und Erwartungen beantworten möchte, dann kann das vielleicht nicht funktionieren, weil Zahlen im Spiel sind, die für potentielle Koop-Partner von Interesse sind. Ich kenne zum Beispiel eine Bloggerin, die nur deshalb mit ihrem Blog unzufrieden ist, weil sie mitbekommt, dass um sie herum plötzlich alle möglichen Blogger irgendwelche Deals und Einladungen zu Events angeboten bekommen. Sie fühlt sich erfolglos. Als Blogger liest man andere Blogs, bekommt viel in den diversen Netzwerken mit...da liegt es nahe, sich zu vergleichen.

    Es ist wie mit dem Streben nach Glück im philosophischen Sinne. Das Empfinden von Glück erlischt mit seiner Erfüllung...oder zumindest kurz danach. So bald sich ein Bestreben erfüllt, ist meist "höher, schneller, weiter" angesagt. So wollte eben jene Bloggerin anfangs vielleicht einfach nur einen Platz haben, um ihre Fotos online zu sammeln und war glücklich, dass ihr dies rein technisch gelungen ist. Aber dann? Es wäre schön, wenn wir alle mit unseren erfüllten Ursprungsbestrebungen immerwährend glücklich und zufrieden sein könnten und uns demnach immerfort als erfolgreich empfinden würden. Aber ich glaube, dass dieser Ansatz leider nicht realistisch ist.

    Blogs werden mit Blick auf teilweise sehr gut vergütete Kooperationen für alle möglichen Firmen immer interessanter. Wenn diese Kooperationspartner nun nach geeigneten Bloggern Ausschau halten, suchen sie natürlich nach Blogs mit guten Zahlen und entsprechender Reichweite. Kommt dann ein glücklicher Blogger vorbei und sagt: "Hey, arbeitet mit mir zusammen! Mein Blog ist erfolgreich, weil ich glücklich mit meinem 100 Lesern im Monat bin", dann wird der potentielle Kooppartner milde lächeln und mit dem Kopf schütteln...und der glückliche Blogger bekommt den Stempel "nicht erfolgreich genug". Somit glaube ich nicht, dass sich die Definition eines erfolgreichen Blogs einfach "nur" über das eigene Gefühl bestimmen lässt. Dieser Gedanke klingt schön, pflanzt vielleicht auch für einen kurzen Moment ein wohliges Gefühl in die Magengegend...aber dann klickt man weiter und...wie sagt man so (un-)schön?!...dann haut die Realität einem voll in die Fresse ;)

    Ich halte es für wichtig, sich immer wieder auf seinen Ausgangspunkt zu besinnen. Es ist wichtig, sich selbst immer mal wieder an die ausgehenden Leidenschaften zu erinnern und sich bewusst zu machen, dass man sich mit "höher, schneller, weiter" selbst ganz schnell bekloppt macht. Aber ich halte es für ebenso wichtig, sich einzugestehen, dass in unserer Gesellschaft der (Erfolgs-)hase nun mal so läuft. Wir messen uns an dem, was Andere tun. Diese Tatsache allein könnte man vielleicht sogar korrigieren, aber da wir auch von Anderen an dem gemessen werden, was Andere tun und erreichen...dreht man sich mit Blick auf die Erfolgsfrage letztlich nur im Kreis.

    Vor ein paar Wochen machten einige Artikel über "relevante Reichweite" die Runde. Darin äußersten einige Blogger, dass es nicht um eine generelle, sondern lediglich um eine relevante Reichweite ginge. Dass ein Blog mit 1000 Lesern im Monat eine durchaus hohe Reichweite habe, wenn er mit seinem Anliegen genau die Leser erreicht, die sich dafür wirklich interessieren und man dabei vielleicht sogar noch den einen oder anderen Auftrag an Land zieht.

    Klingt erst mal nicht verkehrt. Was aber, wenn ein Blog mit 100.000 Lesern im Monat ebenfalls genau die Leser erreicht, die sich für den Inhalt des Blogs interessieren und darüber weitaus mehr Aufträge an Land gezogen werden können?

    Ist dann der Blog mit den 100.000 monatlichen Lesern nicht unterm Strich trotzdem der erfolgreichere, weil er einfach eine größere relevante Reichweite erreicht und noch mehr Aufträge generiert hat?

    Und ist dann relevante Reichweite nicht einfach gleich relevante Reichweite und somit Reichweite gleich Reichweite?

    Manchmal habe ich das Gefühl, dass einige Leute solche Theorien aufstellen, um ihre Zahlen vor sich selbst zu rechtfertigen. Das finde ich schade.

    Ich lasse hier grad einfach nur meinen Gedanken freien Lauf, ohne auf etwas Bestimmtes hinaus zu wollen...einfach weil mich das Thema auch beschäftigt und man in den letzten 1-2 Jahren immer häufiger etwas darüber zu lesen bekommt.

    Liebe Pottgrüße
    Juli

  1. 30.11.2015 10:47

    Liebe Juli,
    vielen Dank für Deinen langen (dem längsten hier im Blog) und sehr gedankenreichen Kommentar. Das kann man einfach nicht in wenige Worte fassen. Geht mir auch so.
    Wir stimmen denke ich in vielem überein.
    Ich finde Spaß am Bloggen ein ganz wunderbares Ziel! So bin ich auch gestartet. Einfach ausprobieren. Natürlich ist es so, dass man dann gerne mehr möchte, wenn es läuft, wenn man quasi Blut geleckt hat. Aber das ist genau der Faktor Zeit, der die eigenen Ziele eben verändert. Es bleibt nicht immer alles gleich.
    Aber es gibt genauso viele Blogger, die wirklich einfach nur zum Spaß ohne irgendwelche Absichten bloggen. Und ich finde, wenn sie das erreichen und durchhalten, ist das ein Erfolg für sie. Wie oft liest man doch in letzter Zeit von Bloggern, denen der Spaß total abhanden gekommen ist. Die sich selber als nächstes Ziel setzen, den Spaß wieder zu finden, den Druck rauszunehmen.
    Es gibt aber halt dieses Abziehbild eines Erfolgsmenschen und damit auch des Erfolgsbloggers, der sich ausschließlich über Kooperationen und Einnahmen definiert. Und das finde ich schade, weil es so einseitig ist, weil da Maßstäbe gesetzt werden, denen aber gar nicht alle entsprechen wollen. Man kann erfolgreich bloggen auch ohne eine einzige Kooperation. Nicht aus der Perspektive von vielen anderen, aber aus der eigenen Sicht und auf die kommt es an.
    Natürlich besteht auch die Gefahr, dass man sich Ziele setzt, sie vielleicht nicht erreicht und hinterher sagt „War eh nicht meins“. Das ist dann entweder eine echte Selbsterkenntnis (weil man ja gerne fremden Zielen nachrennt und dann vielleicht doch merkt, dass die gar nicht zu einem passen) oder eben schlicht und einfach unehrlich, um sich selber ein gutes Gefühl zu geben und Zahlen schön zu reden.
    Deine Gedanken kreisen sehr um Blogs in Zusammenhang mit Kooperationen. Wer sich in diesen Hexenkessel aufmacht, der muß natürlich andere Ziele definieren. Relevante Reichweite ist da sicherlich wichtiger als reine Zahlen.
    Ich möchte einfach nur mal appellieren, dass man sich fremde Erfolgsdefinitionen nicht zwangsweise anziehen muß. Auch nicht die Supermarktkassiererin. Sie muß sich nicht mit Geschäftsfrauen vergleichen, wenn sie zufrieden ist mit dem was sie tut. Wenn sie unzufrieden ist und andere Ziele hat vielleicht eher.
    Der erste Schritt ist halt immer: was will ICH eigentlich? Machen halt die wenigsten und rennen dann oft blind irgendwelchen fremden Zielen hinterher und das artet dann oft in Frust aus.
    Herzliche Grüße
    Katharina

  1. 01.12.2015 07:42

    Liebe Katharina, Danke, für diesen leichtfüßig geschriebenen Artikel, der mich sowohl zum Schmunzeln, als auch zum Nachdenken gebracht hat. Tatsächlich habe ich für mich bisher noch gar nicht so bewusst definiert, was für mich meinen Blog erfolgreich machen würde. In so vielen Punkten ist er es bereits: Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt, ich habe Jobs darüber akquiriert, ich habe tolle Kommentare erhalten, ich durfte schöne Kooperationen umsetzen, er wächst beständig und damit auch seine Themenvielfalt. Vor ein paar Wochen hätte ich vielleicht gesagt, soundsoviele Seitenaufrufe wären mein Ziel und natürlich freue ich mich auch immer noch über eine gute Statistik. Aber tatsächlich ist für mich mein Blog gerade so viel mehr: Habe ich anderthalb Jahre rein über Interior Design gebloggt, sind seit wenigen Wochen auch meine persönlichen Texte, Kurzgeschichten und Erzählungen dazu gekommen. Nie war mir der Gedanke gekommen, dass ich mit meinem Blog ja eine kleine, bescheidene Plattform habe, um sie zu veröffentlichen und mit der Welt zu teilen. Aber plötzlich war die Idee geboren und für mich ist das persönlich so viel mehr wert, als alles, was sich monetär messen ließe. Ich denke also, dass sich der Erfolg und die Kriterien, an denen man ihn misst, auch mit uns verändern können. Was gestern noch das Ziel war, kann heute schon etwas anderes sein und manchmal überrascht uns das selbst :) Liebe Grüße! Kea

  1. 01.12.2015 23:52

    Hallo Kea,
    vielen Dank für Deine Gedanken! Deswegen finde ich ja Bloggen auch so wunderbar! Da steckt so viel mehr dahinter als rein monetäre Kennzahlen.
    Hab gerade bei Dir gespitzt und bin gleich bei Deinem Artikel zur Überästhetisierung hängen geblieben - wunderbar!
    Herzliche Grüße in meine alte Heimat Berlin!
    Katharina

  1. 10.12.2015 11:22

    Liebe Katharina,
    das ist wieder ein sehr schöner und aufschlussreicher Artikel von dir. Anfangs habe ich mir das erfolgreich bloggen noch viel einfacher vorgestellt. Ich dachte "such dir ein Thema, das einige interessiert, schreib dazu was Gutes und es wird schon laufen" - aber so einfach ist es ja nun nicht. Dafür gibt es einfach zu viele Blogger, die einen guten Stil haben und denen man gerne folgt. ;) Ich danke dir auf jeden Fall für deine Beiträge, sie helfen mir oft und sind immer leichtfüßig und verständlich.

    Liebe Grüße, Dani

  1. 22.06.2016 14:33

    Hallo. Vielen Dank für den interessanten Artikel. In der Wirtschaftswoche vom 19. Juni 2016 gab es auch zum Thema Erfolg einige Beiträge: http://weiter-lesen.net/1937/deinen-erfolg-sichern/ Meiner Meinung nach gehört zum Erfolg, Dinge zu tun, die einem liegen, die man idealerweise sogar liebt und nicht zu früh aufzugeben! Und ohne eine gewisse Disziplin geht es meisten auch nicht!

  1. 10.01.2017 15:11

    Hallo Katharina,
    ich habe vor gut zwei Monaten mit dem Bloggen begonnen und habe mir recht schnell Gedanken gemacht was macht meinen Blog erfolgreich und dabei habe ich mir vorgenommen einen kleinen Artikel über die "Herausforderung erfolgreicher Blog" zu schreiben. Beim recherchieren dieses Themas bin ich auf deinen äußerst brilliant geschriebenen und absolut zutreffenden Artikel gestoßen.
    Obwohl ich erst sehr kurz am Bloggen bin, habe ich in deinem Artikel sehr viele Parallelen zu meinen Gedanken gefunden. Ich möchte dir Danken für diesen gut erstellten Artikel.
    Wenn du keine Probleme damit hast, werde ich deinen Artikel mit einem Link in meinem Artikel erwähnen.

    Grüße
    Uwe

  1. 11.01.2017 08:48

    Hallo Uwe,
    vielen Dank für Deinen Kommentar! Gerne darfst Du den Artikel verlinken - Danke dafür vorab!
    LG
    Katharina

Ich freu mich über Deinen Kommentar!